Tag 20: Ruhetag
St. André-les-Alpes: 43.96191 N, 06.51117 E, 884 m ü. M
Km-Stand: 7037
Gestern gefahren: 110 km
Angenehme Temperaturen: nachts etwa 15 Grad, tagsüber nur wenig über 30 Grad. Das rund 1000 Einwohner zählende Städtchen St. André-les-Alpes liegt an der Südseite der Alpen am Verdon. Der enorme Holzbedarf vergangener Jahrhunderte führte dazu, dass die Berge rund um den Ort nahezu vollständig abgeholzt wurden. Erst mehrere Aufforstungsprogramme sorgten dafür, dass die Hänge heute wieder überwiegend bewaldet sind. Am Ende des Verdon-Tals beginnt der Anstieg zum Col d’Allos. Die schmale Straße schlängelt sich dort in zahlreichen Serpentinen an einem steilen, nahezu baumlosen Berghang hinauf. Der Pass gehört immer wieder zum Streckenprogramm der Tour de France. Als wir das letzte Mal hier waren, war die Passstraße an Wochenenden morgens für den Autoverkehr gesperrt und ausschließlich den Radfahrern vorbehalten.
Nicht allzu weit entfernt liegt mit dem Col de la Bonette eine der höchsten Passstraßen der Alpen. Mit 2715 Metern ist er der vierthöchste asphaltierte Alpenpass und wird nur vom Col de l’Iseran (2764 m), dem Stilfser Joch (2757 m) und dem Col Agnel (2744 m) übertroffen. Die Cime de la Bonette (2860 m) und die Cime des Trois Serrières (2753 m) bilden die Gipfel rund um den Pass. Von der Passhöhe kann man die letzten Höhenmeter bequem zu Fuß bis zum Gipfel zurücklegen. Man spürt dort oben die dünne Luft deutlich und kommt schnell außer Atem. Das überrascht nicht, denn bei nicht akklimatisierten Menschen zeigen nach einem schnellen Aufstieg bei 10 bis 25 Prozent leichte Anzeichen einer Höhenkrankheit. Trotzdem begegnet man selbst auf dieser Höhe immer wieder Radfahrern. Die Abfahrt Richtung Süden führt bis nach Nizza – ich glaube, dort muss man kaum noch in die Pedale treten.
Die umliegenden Berge rund um St. André habe ich bei früheren Aufenthalten, damals mit Shakira, bestiegen. Die Touren sind gut zu bewältigen und werden mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Bei klarem Wetter reicht der Blick sogar bis zum Mont Ventoux, dessen heller Kalksteingipfel in der Ferne fast wie schneebedeckt wirkt.
Auf einem der Berge oberhalb des Städtchens befinden sich gleich zwei großzügige Startrampen für Drachen- und Gleitschirmflieger. Gelandet wird direkt neben dem Campingplatz. Als wir vor einigen Jahren hier waren, konnte man zeitweise zwanzig oder mehr Gleitschirme und Drachen gleichzeitig am Himmel beobachten. Diesmal ist das anders – nur vereinzelt sind Flieger zu sehen. Die aufsteigende Warmluft an den Berghängen bietet Drachen- und Gleitschirmfliegern ideale Aufwinde, die sie mühelos in größere Höhen tragen.
Von hier aus bieten sich auch schöne Ausflüge zur Verdon-Schlucht an. Durch den etwa 21 Kilometer langen und bis zu 700 Meter tiefen Canyon fließt der türkisfarbene Verdon. Die Gorges du Verdon zählt zu den größten und beeindruckendsten Canyons Europas. Von der Panoramastraße aus eröffnen sich immer wieder spektakuläre Ausblicke in die grandiose Schlucht.
Mit etwas Glück kann man Basejumper bei ihren Vorbereitungen und anschließend beim Sprung im Wingsuit beobachten. Ebenso ziehen häufig Gänsegeier in geringer Höhe über die Schlucht und bieten ein beeindruckendes Schauspiel.
Die bekannteste Wanderroute durch den Verdon-Canyon beginnt und endet an einem Aussichtspunkt etwa in der Mitte der Schlucht. Von dort führt der Weg zunächst in zahlreichen Serpentinen steil hinab. Die rund sechsstündige Wanderung verläuft ohne Möglichkeit eines vorzeitigen Ausstiegs ständig auf und ab und führt an mehreren Stellen über künstlich angelegte Leitern und Treppen. Kurz vor dem Ende der Tour muss man zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Tunnel durchqueren – sie sind die einzige Möglichkeit, den Weg fortzusetzen. Eine Taschenlampe ist dabei sehr hilfreich.






Bis bald
Giselind, Reinhard, Shakira und Gina
Keine Kanufahrt geplant?