Tag 19: Route Napoléon
Cagnes-sur-Mer: 43.69531 N, 07.14309 E, 33 m ü. M.
Km-Stand: 6.927
Gestern gefahren: 143 km
Heute stand die berühmte Route Napoléon auf dem Programm. Nicht Zentimeter für Zentimeter auf Napoleons Spuren, aber doch grob in die gleiche Richtung – über Entrevaux, Digne und weiter ins Landesinnere.
Zur Erinnerung: Nachdem Napoleon 1815 von Elba zurückkehrte, marschierte er von Golfe-Juan bis nach Grenoble, um sich seine Kaiserkrone zurückzuholen. Wir wollten zwar keine Macht erobern, aber ein schönes Stück Frankreich.
Zunächst ging es allerdings wieder zurück ans Meer. Der Grund: tanken! Bei Giselind war der Benzinstand inzwischen eher als Hoffnung denn als Reserve zu bezeichnen. Und dann passierte natürlich genau das, was nicht passieren sollte. Kilometerweit keine Tankstelle – und plötzlich war Schluss. Mitten auf einer zweispurigen Straße ging dem kleinen Flitzer der Sprit aus.
Zum Glück hatten wir einen Reservekanister dabei. Während wir nachfüllten, durften wir uns den lautstarken Kommentar einiger temperamentvoller französischer Autofahrer anhören. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Das Beste daran: Gerade einmal einen Kilometer weiter wartete seelenruhig eine Tankstelle auf uns. Timing ist eben alles.
Und weil ein kleines Abenteuer selten allein kommt, landeten wir kurz darauf auch noch versehentlich auf einer Schnellstraße. Das erste Hinweisschild hatte ich elegant übersehen, und beim zweiten gab es bereits keine Chance mehr, die Ausfahrt zu erwischen. Also hieß es: Augen nach vorne – und immer mal wieder nervös in den Rückspiegel schauen, ob nicht doch irgendwo die Polizei auftaucht. Zum Glück blieb uns diese Begegnung erspart, und irgendwann kam endlich die erlösende Ausfahrt.
Danach begann der eigentliche Genuss der Route. Entlang des Flusses Var führte die Straße durch ein beeindruckendes Tal. Mal breit und weit geöffnet, mal so eng, dass sich Fluss, Straße und die Schmalspurbahn zwischen Nizza und Digne den wenigen Platz teilen mussten. An manchen Stellen verschwand die Bahn kurzerhand im Tunnel – wahrscheinlich, weil selbst ihr der Platz ausging.
Insgesamt ging es über mehr als 1.800 Höhenmeter. Dagegen wirkt der Reschenpass ab Innsbruck fast wie eine gemütliche Auffahrt zum Supermarkt. Die Straßen waren herrlich zu fahren, der Verkehr angenehm wenig und die Landschaft einfach großartig. Nur die Hitze verlangte Mensch, Hund und Motor einiges ab.
Unser Tagesziel war Saint-André-les-Alpes, direkt am ersten Stausee des Verdon. Auf knapp 900 Metern Höhe erwarteten uns endlich angenehm kühle Abend- und Nachttemperaturen. Hier waren wir bereits dreimal im Urlaub und haben viele schöne Erinnerungen gesammelt. Der Campingplatz ist ruhig, inzwischen sogar mit Schwimmbad ausgestattet und dabei noch erfreulich günstig.
Hier werden wir nun ein paar Tage bleiben, die Seele baumeln lassen und neue Kräfte sammeln. Die vergangenen Etappen hatten es schließlich ganz schön in sich.
Bis bald!
Giselind, Reinhard, Shakira und Gina





Dann euch erst einmal schöne ruhige Tage, bislang genug gefahren. Gruß Michel