Tag 6: Von der Donau an den Inn

Neßlbach, 48.69454 N, 13.11568 E, 349 m ü. M.
Km-Stand: 5084
155 km gefahren

Um 9:30 Uhr waren wir startklar und setzten unsere Reise fort. Weit kamen wir allerdings nicht. Plötzlich war die Straße gesperrt und die ausgeschilderte Umleitung machte einen riesigen Umweg. Also versuchten wir – wie so oft – irgendwie doch noch durchzukommen. Bisher hatten wir bei Straßensperrungen immer einen Schleichweg gefunden. Dieses Mal war jedoch Schluss. Ein Streckenposten erklärte uns freundlich, aber bestimmt, dass hier definitiv kein Durchkommen sei.

Also fuhren wir ein Stück zurück bis zu einer kleinen Fähre auf die andere Flussseite. Und was soll ich sagen – so eine Fähre hatte ich noch nie gesehen. Sie wirkte, als wäre sie direkt aus einer anderen Zeit übrig geblieben. Sie hing an einem über den Fluss gespannten Seil und konnte deshalb nicht abtreiben. Angetrieben wurde sie von einem 10-PS-Außenbordmotor, der beim Richtungswechsel einfach umgedreht wurde. Die Ruder sahen aus, als wären sie noch von der letzten Floßfahrt auf der Donau übrig geblieben: einfache Holzstangen mit einem Brett am Ende. Aber für fünf Euro wurden wir samt Rädern trockenen Fußes ans andere Ufer gebracht – und genau dafür war sie schließlich da.

Kurz darauf erreichten wir Passau, die Dreiflüssestadt. Hier treffen Donau, Inn und Ilz zusammen. Faszinierend, wie unterschiedlich die drei Flüsse aussehen: die blaue Donau, die kleine, dunkle Ilz und der grünlich-milchige Inn. Erstaunlich, wie verschieden Wasser sein kann.

Aerial image of Passau

Um ehrlich zu sein: Nach Passau hineingefahren sind wir nicht. Städte sind einfach nicht so unser Ding.

Bei Passau musste ich an eine Begebenheit aus meiner Bundeswehrzeit denken. Der General war zu Besuch, und beim Gruppenunterricht stand das Thema Schienen im Sanitätsdienst auf dem Programm. Mit dabei war Sanitätssoldat Navrrat aus „Possau“. Der General fragte:
„Soldat, kann man eine Schiene nach Gebrauch noch einmal verwenden?“ Navrrat antwortete im tiefsten niederbayerischen Dialekt: „Jo mei, Herr General, wenn’s ned kaputt is, halt ned hie, verstehst, ja dann nehma’s halt no amoi, ned wohr?“ Ob der General jedes Wort verstanden hat, weiß ich bis heute nicht.

Anschließend verließen wir die Donau und folgten dem Inn. Die Strecke war ausgesprochen abwechslungsreich: immer wieder bergauf und bergab, dazu mehrere Brücken über den Fluss und schöne Ausblicke auf die Landschaft.

Kurz vor Wasserburg am Inn fanden wir einen idyllischen Campingplatz direkt an einem See. Duschen konnten wir uns sparen – ein ausgiebiges Bad im angenehm frischen Wasser war deutlich schöner.

In der Nacht zog dann allerdings ein heftiges Unwetter auf. Diesmal blieben wir nicht verschont. Wir hatten alle Hände voll zu tun, damit unsere Sachen halbwegs trocken blieben, während der Wind kräftig an unserem Zelt zerrte. Andere Camper traf es noch schlimmer. Am nächsten Morgen lag ein Pavillon, ein Stück vom Platz entfernt, mit den Füßen nach oben auf der Wiese.

Bis bald

Giselind, Reinhard,Shakira und Gina

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