Tag 14: Mit Hannibal über den Apennin
Rioveggio
44.291864 N, 11.219214 E, 200 m ü. M.
Km-Stand: 6252
111 km gefahren
Am Morgen schauen wir uns die Strecke noch einmal genauer an. Fast 1.000 Meter müssen wir hinauf – und das ausgehend von gerade einmal 40 Metern Höhe in Bologna. Der Anstieg steht dem Reschenpass in nichts nach. Muss es denn wirklich so steil sein?
Vielleicht gibt es ja eine bessere Route über den Apennin. Schließlich meiden auch Radfahrer unnötig steile Anstiege. Also schnell das Handy gezückt und gegoogelt: „Beste Verbindung mit dem Fahrrad von Bologna nach Florenz.“
Und tatsächlich – es gibt eine Alternative. Die Strecke führt über Porretta Terme und den Passo della Collina. Sie folgt den natürlichen Tälern und steigt gleichmäßig an, meist mit weniger als zehn Prozent Steigung. Genau das Richtige für unsere beiden Bienen. Einer Überlieferung nach soll sogar Hannibal auf seinem Italienfeldzug 217 v. Chr. einen ähnlichen Weg über den Apennin gewählt haben. Wenn der mit Elefanten machbar war, sollte er auch für uns funktionieren.
Also drehen wir um und nehmen die etwas längere, dafür deutlich angenehmere Route. Kilometer um Kilometer geht es sanft bergauf, meist durch dichte Wälder. Immer wieder passieren wir kleine Dörfer und einzelne Häuser. Man fragt sich unweigerlich, wovon die Menschen hier heute leben – oder früher einmal gelebt haben. Außer ein paar kleinen Wiesen und viel Wald gibt es hier nicht viel. Für uns ist es jedenfalls eine wunderschöne Strecke.
Am höchsten Punkt verlassen wir die Emilia-Romagna und erreichen die Toskana. Und tatsächlich – die Landschaft verändert sich fast schlagartig. Sanfte Hügel, Olivenhaine, Weinberge, Dörfer und Häuser auf den Höhen und die ersten Zypressen prägen das Bild. Auf der langen Abfahrt eröffnen sich immer wieder herrliche Ausblicke in die Täler.
Wir beschließen, Florenz links liegen zu lassen und stattdessen in Richtung Pontedera weiterzufahren.
Dann beginnt sie wieder – die tägliche Suche nach einem Campingplatz. Wohnmobilstellplätze gibt es wie Sand am Meer. Campingplätze ebenfalls, allerdings oft mit dem Hinweis: „Steile Zufahrt.“ Genau das können unsere Fahrzeuge überhaupt nicht gebrauchen. Schließlich finden wir einen kleinen Campingplatz auf einem Bauernhof. Einfach, aber mit allem, was wir brauchen: Wasser, Toilette, Dusche, Strom – und vor allem ein wunderschönes Plätzchen für unser Zelt.
Auch hier war die Zufahrt angeblich etwas schwierig. Von großen Steigungen war allerdings keine Rede. Die Herausforderung bestand eher in der Schotterpiste: tiefe Querrinnen, Schlaglöcher und stellenweise so eng, dass man mit einem Wohnwagen oder Wohnmobil vermutlich ins Schwitzen kommt. Die Steigungen und Gefälle waren dagegen gut zu bewältigen.
Was wir bei der Anfahrt bergab gefahren sind, müssen wir morgen natürlich wieder hinauf. Ob wir schieben müssen? Das wird sich zeigen.
Der Platz entschädigt jedenfalls für alles. Mitten im Wald, umgeben von Natur, herrlich ruhig. Man hört nur Grillen, Vögel und den Wind in den Bäumen. Genau so hatten wir uns die Toskana vorgestellt.







Bis bald!
Giselind, Reinhard, Shakira und Gina