Tag 8: Reschenpass – Über die Alpen
Unterperfuss, 47.26014 N, 11.25513 E, 592 m ü. M.
Km-Stand: 5579
164 km gefahren
In der Nacht hat es mal wieder geregnet. Wir sind jedoch trocken geblieben und verließen den Campingplatz Farmcamping Branger Alm gegen 9:30 Uhr. Heute sollte sich zeigen, ob unsere beiden Bienen die Alpen ohne fremde Hilfe überqueren können. Dafür hatten wir uns mit dem Reschenpass einen der niedrigsten Alpenpässe ausgesucht. Trotzdem ging es bis auf 1.507 Meter hinauf.
Der Reschenpass zählt seit langer Zeit zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen. Bereits in keltischer Zeit verband er als Saumpfad das Oberinntal im Norden mit dem Vinschgau im Süden. Um das Jahr 50 n. Chr. wurde die Römerstraße Via Claudia Augusta eröffnet, zu der auch der Reschenpass gehörte. Bis zum Bau der Via Raetia im 2. Jahrhundert war sie die wichtigste Verbindung zwischen Italien und der Region Augsburg. Der Brennerpass auf 1.370 Metern Höhe erhielt seine heutige große Bedeutung erst im Mittelalter mit dem Bau des Kunterswegs.
Doch der Reschenpass hat auch heute noch eine wichtige Bedeutung für die Infrastruktur – weit über den regionalen Straßenverkehr hinaus. Im Jahr 2019 wurde hier der Zusammenschluss der Glasfasernetze von Nord- und Südtirol verwirklicht. Glasfaser auf dem Reschenpass – und bei uns habe ich beim Angeln am Rhein bei Karlsruhe nicht einmal Mobilfunkempfang.
2020 begann außerdem der Bau einer neuen Stromverbindung zwischen den Netzen Nord- und Südtirols. Seit 2023 verbindet eine unterirdische 220-kV-Leitung den Netzknoten Glurns mit Nauders. Mit einer Übertragungsleistung von 400 Megawatt kann sie die Strommenge von zwei Donaukraftwerken transportieren.
Der Reschenpass ist außerdem Teil der wohl beliebtesten Alpenüberquerung mit dem Fahrrad: der Via Claudia Augusta. Der 752 Kilometer lange Fernradweg verbindet Donauwörth mit Venedig. Er führt entlang des Lechs, über den Fernpass, weiter am Inn entlang, über den Reschenpass und anschließend der Etsch folgend, zu den Dolomiten und schließlich nach Venedig.
Bekannt ist der Reschenpass aber vor allem durch den einsam aus dem See ragenden Kirchturm. Mit der Fertigstellung des Reschenstausees im Jahr 1950 wurden der Ort Graun und ein Großteil des Dorfes Reschen überflutet. Erhalten blieb lediglich der Kirchturm der alten Pfarrkirche – nicht etwa, weil er das höchste Gebäude war, sondern weil alle übrigen Gebäude des Dorfes zuvor gesprengt wurden.
Unsere Route führte zunächst weiter dem Inn entlang – mal direkt am Fluss, mal etwas oberhalb. Es ging immer wieder auf und ab, sodass die Strecke abwechslungsreicher war, als wir erwartet hatten. Überraschend war allerdings, wie wenige Radfahrer uns auf der Via Claudia Augusta begegneten.
Hinter Landeck wurde der Anstieg spürbar steiler. Da die Reschenstraße für Radfahrer gesperrt ist, folgten wir der alten Zollstraße nach Martina und kamen dabei sogar kurz auf Schweizer Staatsgebiet. Direkt hinter der Zollstelle in Martina begann der eigentliche Schlussanstieg: 6,5 Kilometer mit 425 Höhenmetern lagen vor uns. In elf Kehren schlängelt sich die Straße durch den Wald hinauf zur Norbertshöhe. Die Steigung bleibt dabei mit unter zehn Prozent angenehm moderat. Für unsere Bienen war das überhaupt kein Problem. Es ging zwar langsam, meist im ersten Gang, aber stetig bergauf.
Von der Norbertshöhe rollten wir zunächst hinunter nach Nauders, bevor es anschließend wieder sanft bergauf zum Reschenpass am Nordrand des Dorfes Reschen ging. Der Grenzübergang nach Italien liegt bereits einige Kilometer vor dem eigentlichen Pass. Dort kauften wir noch eine Ansichtskarte für unsere Enkelinnen Nele und Mara, schrieben sie direkt und warfen sie gleich ein. Nele hatte sich aus jedem Land, das wir bereisen, eine Ansichtskarte gewünscht.
Der erste Campingplatz, den wir auf dem Pass ansteuerten, war leider bereits vollständig belegt. Beim nächsten Platz hatten wir mehr Glück. So schlugen wir unser Lager auf gut 1.500 Metern Höhe auf.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Die Nacht sollte kalt werden – und es sollte natürlich mal wieder regnen.






Super, Reinhard, jetzt habt ihr ja schon den Alpen-Hauptkamm überwunden. Jetzt kommen eure Bienen ja langsam der eigentlichen Heimat näher, da sollten sie dann richtig summen. Viel Spaß noch, das Wetter wird wieder sommerlich.