Tag 9: Vinschgau – Obst, Obst, Obst

Reschen, 46.76380 N, 10.53170 E, 1.500 m ü. M.
Km-Stand: 5707
126 km gefahren

In der Nacht hatte es wieder geregnet. Am Morgen war es lausig kalt. Zum ersten Mal brauchten wir lange Hosen und Jacken. Das Abbauen und Reisefertigmachen ging zügig, und schon bald machten wir uns auf den Weg hinunter ins Etschtal.

Bei der Abfahrt hat man immer wieder einen herrlichen Blick auf die Nordseite der Ortlergruppe. Auf den höchsten Gipfeln sind selbst im Sommer noch einzelne Schneefelder zu erkennen. Die Abfahrt selbst ist wenig spektakulär. Ohne steile Abgründe führt die Straße gleichmäßig über weite Wiesenhänge hinunter ins Tal.

Noch bevor wir die Talsohle erreichen, sehen wir die ersten Obstplantagen. Wenig später ist das ganze Tal eine einzige riesige Plantage – überwiegend mit Äpfeln, aber auch mit Birnen. Zum Schutz vor Hagel sind fast alle Anlagen mit Netzen überspannt, einige werden zusätzlich beregnet.

Durch seine geschützte Lage ist der Vinschgau ein inneralpines Trockental mit außergewöhnlich vielen Sonnenstunden und wenig Niederschlag. Im Jahresdurchschnitt fällt hier ungefähr so viel Regen wie auf Sizilien. Deshalb ist für die Landwirtschaft eine künstliche Bewässerung unverzichtbar, wofür ein weit verzweigtes Bewässerungssystem geschaffen wurde.

Neben Wiesen und Weiden ist der Obstbau der wichtigste Wirtschaftszweig der Region. Allein im Vinschgau werden auf rund 3.677 Hektar Obst angebaut – das entspricht etwa 5.000 Fußballfeldern. Rund 1.700 Obstbauern bewirtschaften die Plantagen und ernten jedes Jahr mehr als 300.000 Tonnen Äpfel, in guten Jahren sogar bis zu 350.000 Tonnen. Und das ist nur der Vinschgau – nicht einmal ganz Südtirol.

Für uns ging es derweil stetig bergab. Bald erreichten wir die ersten Tunnel, von denen einige fast drei Kilometer lang sind. Mit der Ape dauert die Durchfahrt gefühlt eine Ewigkeit. Immer wieder hielten wir deshalb an oder drehten eine Ehrenrunde im Kreisverkehr, damit sich der Stau hinter uns auflösen konnte. Viele Verkehrsteilnehmer grüßten freundlich, manche waren allerdings auch sichtlich genervt.

Am Nachmittag erreichten wir zunächst Meran und später Bozen. Von dort führte unsere Route weiter auf der Südtiroler Weinstraße in Richtung Kalterer See. Dort hofften wir, einen Campingplatz zu finden. Leider waren alle Plätze ausgebucht, und auf einem Campingplatz waren unsere Hunde nicht willkommen.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als weiterzufahren. Kurz vor Trient wurden wir schließlich doch noch fündig. Zwischen der Straße und den Bahngleisen entdeckten wir einen kleinen Campingplatz auf dem rückwärtigen Gelände einer Bar. Wir waren inzwischen so müde, dass uns weder der Verkehrslärm noch die die ganze Nacht vorbeifahrenden Züge vom Schlafen abhalten konnten.

Giselind, Reinhard, Shakira und natürlich Gina

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