Tag 12 – Richtung Süden und immer geradeaus

Datum: 22.07.2023
Kilometer: 1508 Km
Ort: Le Gurp
Position: 44.435714 -1.132267

Die Nacht auf dem Campingplatz in le Gurp war okay. Wir verlassen den Platz mit guten Erinnerungen an vergangene Urlaube und mit eher schlechteren neuen Erfahrungen. Der Platz ist einfach sehr groß und wenn er ausgebucht ist, wie jetzt, zu voll. Die Sanitärhäuser sind zwar weitgehend neu, aber es gibt viel zu wenige. Darunter leidet dann natürlich die Sauberkeit. Für 51€ (2 Personen, ein Zelt, ein Auto und Strom) ist das wirklich zu viel. Es geht weiter Richtung Süden auf kilometerlangen geraden Straßen und endlose Pinienwälder.

Unser Ziel ist das Cap Ferret. Von hier aus kann man nach Arcachon blicken und die gewaltige Dune de Pilat, den größten europäischen und wandernden Sandhaufen (Wanderdüne). 110 m hoch, 2,7 km lang und 500 m breit. Die Düne verändert sich ständig. An einigen Stellen verliert sie Sand, an anderen schaffen Wind und Wetter neuen Sand heran.

Unterwegs sehen wir heute zahlreiche Oldtimer. Ein junger Mann steht mit einem Solex (Fahrrad mit Hilfsmotor am Vorderrad. Die Älteren unter uns kennen das noch). Enten, also Citroën 2CV und Renault 4 sowie VW-Käfer stehen am Straßenrand.

Citroën 2CV (CV steht für Deux chevaux also 2 Pferde) Der Auftrag an den Ingenieur des 2CV war, ein Auto zu bauen, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fass Wein hat, mindestens 60 km/h fährt und nur drei Liter Benzin auf 100 km verbraucht. Es sollte auch für schlechte Wege geeignet sein und einfach zu bedienen sein, und selbst Fahranfänger sollten damit zurechtkommen. Eine ausgeprochen gute Federung sollte den Transport eines Korbes Eier über holprige Feldwege ermöglichen. Und das Auto musste billig sein. Das optische Design spielt keine Rolle. Wer schon mal so ein Auto hatte oder mitgefahren ist, kann bestätigen, der Ingenieur hat genau die Anforderungen erfüllt. „Einem Inschinör ist halt nichts zu schwör“

Man kann an den neueren Autos auf der Halbinsel auch erkennen, hier wohnen keine armen Leute. Die Dichte an Porsche, BMW und Mercedes ist groß.
Wir müssen vom Cap Ferret wieder zurückfahren. Es gibt zwar eine Fähre nach Arcachon, die befördert aber nur Personen und Fahrräder.
Am Meer entlang und ganz besonders hier am Becken von Arcachon kann man Austern verkosten. Man kann sie auch selbst sammeln. Genauso wie alle anderen Meeresfrüchte, die es hier so gibt, verschiedene Sorten von Muscheln, Krebstieren und Schnecken. Letztes Jahr im Urlaub in der Bretagne war ich selbst auf der Jagd. In Frankreich ist das Fischen und Sammeln von Meerestieren am Meer erlaubt, haushaltsübliche Mengen und ab einer bestimmten Größe (je nach Region). Mancherorts gibt es gratis Lehren, mit denen man die passende Größe bestimmen kann. Ich stapfe gerne bei Niedrigwasser durch die kleinen Tümpel und Wasserläufe und schaue, was es so alles gibt. Leider kann ich wegen einer Allergie keine Krebstiere essen und Austern sind nicht so meine Sache, zumindest roh. Man kann sie aber auch kochen. Lecker.
Südlich von Arcachon kommen wir direkt an die Dune du Pilat. Man kann gut erkennen, welchen Schaden die großen Waldbrände der letzten Jahre hier angerichtet haben. Neben dem Wald hat es auch einige Häuser, Hotels und Campingplätze getroffen. Ein trauriger Anblick. Man kann aber auch erkennen, wie schnell sich die Natur diese Flächen zurückerobert und das erste Buschwerk schon wieder wächst. Vor 25 Jahren konnten wir noch direkt an der Düne entlangfahren. Das ist nicht mehr möglich. Die Straße wurde weiter ins Hinterland verschoben. Ein Blick auf die Düne ist aber immer noch möglich.

Die Suche nach einem Camping gestaltet sich heute etwas schwierig. Es ist Hauptsaison und die Plätze sind ausgebucht. Nach annähernd 10 abgeklapperten Plätzen finden wir schließlich erst nach 20:00 Uhr in Biscarosse etwas außerhalb der Hotspots Unterschlupf auf einem Camping Air Naturell (nicht zu verwechseln mit Naturist – FKK). Madame stellt für uns noch eine große Kabeltrommel bereit, sodass wir auch Strom haben. Wir beschließen hier zwei Tage zu bleiben und die Ruhe zu genießen.
Und dann gibt es am Abend noch eine Bulliparade. Drei VW T2 kamen auf den Campingplatz. Baujahr zwischen 1967 und 1979. Maximal 70 PS, Heckmotor und das typische Tuckern eines VW-Boxermotors.

Bis bald
Reinhard

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2 Kommentare

  1. Hallo hallo, schöne Bilder, bestimmt auch tolle Eindrücke. Könnt ihr in den Rappeldingern noch sitzen oder fault langsam das Kreuz ab? ???? weiterhin gute Reise und schöne Tage

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