Tag 23: Ruhetag, Erinnerungen
St. André-les-Alpes: 43.96191 N, 06.51117 E, 884 m ü. M.
Km-Stand: 7037
Heute waren zeitweise mehr als 15 Gleitschirme über dem Berg zu sehen. Kräftige Aufwinde hielten die Piloten lange in der Luft. Auf dem Campingplatz unter den Pinien huschten beim Landeanflug immer wieder die schnell vorbeiziehenden Schatten der Gleitschirme über den Boden, bevor sie auf der großen Landewiese neben dem Campingplatz sanft aufsetzten.
Am späten Nachmittag tauchten plötzlich zwei Löschflugzeuge mit ihren kräftig brummenden Motoren am Himmel auf. Zunächst war nicht klar, ob sie tatsächlich im Einsatz waren. Als sie dann jedoch auf den See einschwenkten, zur Wasseraufnahme aufsetzten und kurze Zeit später in entgegengesetzter Richtung wieder davonflogen, war klar: Irgendwo in der Nähe musste ein Brand ausgebrochen sein. Sechs- bis siebenmal kehrten die Flugzeuge zurück, um erneut Wasser aufzunehmen. Danach war der Brand offenbar unter Kontrolle.
Frankreich ist in diesem Jahr bereits ungewöhnlich früh von heftigen Waldbränden betroffen. Am Atlantik, südwestlich von Bordeaux, rund um Arcachon und Cap Ferret, waren die Brände so verheerend, dass mehr als 200.000 Menschen evakuiert werden mussten. Dramatisch – und die Waldbrandsaison hat gerade erst begonnen. Auch im Département Var, unweit unserer Route, gab es schwere Brände. Aber selbst bei uns zu Hause hat es in diesem Jahr bereits zahlreiche, wenn auch vergleichsweise kleine Flächenbrände gegeben.
Als wir 2015 schon einmal hier waren, war Janis mit dabei. Für ihn hatten wir vorsorglich ein eigenes Zelt eingepackt. Der Aufbau verlief völlig problemlos – kein Fluchen, keine fehlenden Heringe, keine rätselhaften Gestänge. Wir waren richtig stolz auf uns. Bis zum Probeliegen. Egal, wie Janis sich ins Zelt legte – gerade, schräg oder diagonal –, irgendein Körperteil blieb immer draußen. Das Problem lag nicht am Zeltaufbau, sondern an Janis. Er war schlicht und ergreifend rund 20 Zentimeter zu lang. Nach mehreren erfolglosen Versuchen mussten wir einsehen: Entweder wir kürzen Janis oder wir kaufen ein größeres Zelt. Da Ersteres weder praktikabel noch familienfreundlich war, blieb nur die zweite Lösung. Also ging es zum nächsten Decathlon in Digne. Dort bekam Janis eine neue, deutlich geräumigere Behausung. Das alte Zelt hätte anschließend höchstens noch als Hundehütte getaugt.
Für den Nachmittag waren Gewitter angekündigt. Rund um uns zogen immer wieder dunkle Wolken auf, und in der Ferne war Donner zu hören. Wir blieben jedoch verschont – es fiel kein Tropfen Regen.
Genug der Ruhetage. Morgen geht es weiter. Den Apes geht es gut, und wir fahren in Richtung Mont Ventoux, dem weißen Riesen der Provence, 1909 m hoch. Ob wir wohl bis ganz nach oben fahren können? Je nach Quelle erwarten uns 10,5 – 14% Steigung.








Bis bald
Giselind, Reinhard, Shakira und Gina