Tag 10: Auf zum Gardasee

Mezzocorona, 46.10780 N, 11.11396 E, 259 m ü. M.
Km-Stand: 5707
Tagesetappe: 142 km

Endlich mal eine Nacht ohne Regen! Wir verlassen den Campingplatz in Richtung Trient. Dort wechseln wir das Tal: Weg von der Etsch, hinein ins Sarcatal. Der Fluss mündet später in den Gardasee – und genau dorthin wollen wir ihm folgen. Ganz so einfach macht er es uns allerdings nicht. Erst müssen noch einmal 341 Höhenmeter auf einer ordentlich befahrenen Straße überwunden werden. Die Belohnung folgt auf dem Fuß: eine herrliche Abfahrt hinunter zum Gardasee.

Inzwischen hat der Weinbau den Obstanbau weitgehend verdrängt. Überall reihen sich die Weinberge aneinander, und auch einige größere Kellereien liegen am Weg. Vor vielen Jahren haben wir hier einmal Wein an einer „Weintankstelle“ gekauft. Tatsächlich wie an einer normalen Tankstelle – nur dass aus der Zapfsäule Rot- oder Weißwein statt Benzin floss. Volltanken bitte! Bleifrei beziehungsweise alkoholfrei gab es allerdings nicht.

Bei bestem Wetter erreichen wir schließlich Riva del Garda. Von hier aus führt die alte Ponalestraße hinauf zum Ledrosee. Rund 13 Kilometer und etwa 700 Höhenmeter sind zu bewältigen, dafür wird man mit grandiosen Ausblicken auf den Gardasee und den Monte Baldo belohnt. Die Straße wurde Mitte des 19. Jahrhunderts direkt in die steile Felswand gehauen – eine beeindruckende Ingenieurleistung. Reste einer alten Befestigungsanlage der Festung Riva erinnern daran, dass hier einst die Grenze zu Österreich-Ungarn verlief.

Als wir vor einigen Jahren hier waren hat mich Giselind in Riva abgesetzt und wieder später am Ledrosee eingesammelt.. Unterwegs kommt man durch das kleine Bergdorf Pregasina. Wegen der hohen Felswände bekommt es im Winter keine Sonne – im Sommer dafür umso mehr. Autos begegnen einem auf der alten Straße übrigens keine. Sie ist längst für den Verkehr gesperrt und heute Wanderern und Radfahrern vorbehalten. Die neue Straße verschwindet stattdessen im Tunnel und führt direkt zur wohltuenden Ruhe des Ledrosees.

Und noch etwas Interessantes: Pfahlbauten gibt es nicht nur in Unteruhldingen am Bodensee. Auch am Ledrosee wurden Reste einer uralten Pfahlbausiedlung entdeckt, die heute zum UNESCO-Welterbe gehören.

Danach folgt einer der schönsten Streckenabschnitte unserer Reise: immer am Westufer des Gardasees entlang über Limone, Tignale und Salò. Unzählige Tunnel wechseln sich mit traumhaften Ausblicken auf den See und den Monte Baldo ab. Mal kurz, mal lang, mal hell beleuchtet, mal stockdunkel, aus Beton oder direkt aus dem Fels gehauen – langweilig wird diese Straße garantiert nicht. Nur der dichte Verkehr trübt den Genuss etwas. In Limone muss sogar die Polizei den Verkehr regeln, damit sich die Blechlawine überhaupt noch bewegt. Zweimal haben wir hier schon einige Tage verbracht – allerdings immer erst im Oktober. Dann zeigt sich der Ort von seiner entspannten Seite. Im Hochsommer wäre uns das eindeutig zu viel Trubel. Besonders sehenswert sind die historischen Limonaie, die alten Zitronengärten. Im Sommer stehen die Gewächshäuser offen, im Winter werden sie mit ihren charakteristischen Holzkonstruktionen geschlossen, um die empfindlichen Zitronenbäume vor Frost zu schützen. Bis 1931 war Limone übrigens nur über steile Saumpfade oder mit dem Schiff erreichbar. Erst dann entstand die spektakuläre Uferstraße mit ihren vielen Tunneln.

Kurz vor Salò liegt in Gardone Riviera der Giardino Botanico Fondazione André Heller. Wer eine kleine Pause vom Autofahren braucht, sollte unbedingt vorbeischauen. Dort wächst gefühlt alles, was irgendwo auf der Welt grün werden kann. Zwischen Palmen, Bambus, riesigen Farnen und exotischen Pflanzen verstecken sich moderne Skulpturen. Man weiß manchmal gar nicht, ob man gerade durch einen Botanischen Garten oder eine Freiluft-Kunstausstellung spaziert.

Bei Salò ist dann endgültig Schluss mit flüssigem Verkehr. Halbseitige Straßensperrung. Die Aufräumarbeiten nach den vorangegangenen Unwettern sind noch in vollem Gange. Offenbar hat es eine mächtige Thuja erwischt, die eine Seite der Straße blockierte.

An der Südspitze des Gardasees lassen wir die Alpen endgültig hinter uns. Die Landschaft wird sanfter und hügeliger. Und plötzlich begegnet uns ein alter Bekannter wieder: die Sarca. Während ihrer Reise durch den Gardasee hat sie allerdings ihren Namen gewechselt und heißt nun Mincio.

Direkt am Ufer dieses Flusses finden wir einen einfachen, aber gemütlichen Campingplatz. Nach diesem abwechslungsreichen Tag steht der Entschluss schnell fest: Morgen legen wir einen Ruhetag ein.

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Bis bald

Giselind, Reinhard, Shakira und Gina

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