Tag 11: Ruhetag
Valeggio sul Mincio, 45.356° N, 10.731° E, 184 m ü. M.
Km-Stand: 5.997
150 km gefahren
Der Morgen beginnt mit Sonnenschein. Ich bin etwas früher wach als Giselind, setze mich in die Sonne und lese erst einmal nach, wo wir eigentlich gelandet sind. Die Temperaturen sind angenehm und ein leichter Wind weht. Doch dabei soll es nicht bleiben. Gegen 11 Uhr heißt es, alles ins Trockene zu bringen – es beginnt zu regnen. Also ziehen wir uns wieder ins Zelt zurück.
Vom Campingplatz aus ist ein altes Gemäuer zu sehen, und natürlich stellt sich die Frage, was das wohl ist. Es handelt sich um die Ponte Visconteo. Das mittelalterliche Bauwerk ist rund 650 Meter lang und etwa 21 Meter breit. Es überspannt das Flusssystem des Mincio und besitzt auf dem Damm drei Festungsbauten. Der Damm sollte ursprünglich das Wasser des Mincio umleiten, um der Stadt Mantua ihren das Wasser zu entziehen. Man hoffte, Mantua dadurch leichter einnehmen zu können. Zur Ausführung kam dieser Plan jedoch nie.
Jedes Jahr am dritten Dienstag im Juni veranstaltet die Gemeinde Valeggio sul Mincio auf der Brücke die „Festa del Nodo d’Amore“ (Fest des Liebesknotens), bei der die berühmten Tortellini des Ortes gefeiert werden. Dafür werden auf der Brücke lange Tafeln aufgebaut, an denen 2.500 bis 3.000 Gäste gemeinsam speisen.
Der Mincio beziehungsweise sein Kanal ist ab dem Gardasee schiffbar. Er bildet die Wasserflächen von Mantua und mündet bei Governolo in den Po. Der wasserreiche Fluss stellte seit jeher eine natürliche Verteidigungslinie dar. In der Kaiserzeit prägte Österreich sogar den Leitspruch: „Deutschland wird am Mincio verteidigt.“ In dieser Region liegt auch die Stadt Solferino. Sie wurde durch die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859 bekannt. Die erschütternden Eindrücke dieser Schlacht veranlassten Henry Dunant zur Idee der Gründung des Roten Kreuzes und führten schließlich zur ersten Genfer Konvention zum Schutz verwundeter und kranker Soldaten – dem Ausgangspunkt des modernen humanitären Völkerrechts.
Giselind verbringt den Tag überwiegend mit Lesen, während ich mich um den Blog kümmere. Bei der schlechten Internetverbindung hier ist das allerdings etwas mühsam und kann mitunter ganz schön nerven. Die Hunde dösen vor sich hin oder liegen auf unseren Betten. Am Abend gibt es Hähnchenkeulen, ein Radler und zum Abschluss ein Eis.
Der Campingplatz gefällt uns gut und ist nur wenig belegt. Eine grüne Wiese, direkt daneben dem Fluss und insgesamt angenehm ruhig. Die Übernachtung kostet uns gerade einmal 15 Euro. Die Sanitäranlagen haben zwar noch etwas Luft nach oben, aber bei diesem Preis will ich mich wirklich nicht beschweren.




Bis bald
Giselind, Reinhard, Shakira und Gina